Interview mit Andrej Orel, EBV

Andrej Orel, Segment Manager City & Infrastructure bei EBV Elektronik erklärt, welche Rolle Halbleiter bei der Energiewende spielen und wie EBV als Distributor Unternehmen dabei hilft, Lösungen für diesen spannenden Markt zu entwickeln.

Der Wandel hin zu nachhaltiger Energie wird die Wertschöpfungsketten in der Energiewirtschaft maßgeblich beeinflussen und den Markt für grüne Produkte und nachhaltige Dienstleistungen boomen lassen. Als Europas führender Halbleiterdistributor hilft EBV seinen Kunden, mit neuen Ideen und Trends erfolgreich Lösungen für diesen spannenden Markt zu entwickeln. Rund zehn Jahre bleiben, um alle Bereiche der Wirtschaft zu transformieren und die Emissionen zu halbieren. „Eine der größten Herausforderungen, vor denen die Menschheit je stand“, sagt Andrej Orel, Segment Manager City & Infrastructure bei EBV.

Über welches Know-how verfügt EBV als Distributor im Bereich der nachhaltigen Energie?

Andrej Orel: Mit unserer Struktur der vertikalen Marktsegmente sind wir in der Lage, Markttrends und -bedürfnisse früh zu erkennen und passende Lösungen mit den besten verfügbaren Technologien zu finden. Daher haben wir uns bereits von Anfang an mit Leistungselektronik in Windturbinen und Photovoltaik-Wechselrichtern befasst. In den letzten 30 Jahren haben wir eng mit unseren Kunden im Bereich der Verbrauchsmessung zusammengearbeitet, um sie bei der Umstellung auf die neue intelligente Netzinfrastruktur zu unterstützen. Dies sind die Grundlagen der kommenden Energiewende, mit der die Herausforderungen der wachsenden Nachfrage nach Elektromobilität, Batteriespeichern und anderen Energie-Ökosystemen bewältigt werden können.

Nutzt EBV selbst nachhaltige Energie?

A.O.: Tatsächlich nutzen wir nachhaltige Energien in verschiedenen Bereichen. Unsere Gebäude werden über Fernwärme beheizt, die von dem Blockheizkraftwerk des Technologieparks geliefert wird. Zur Kühlung haben wir das Grundwasser aktiviert, die erforderliche Umwälzpumpe wird – wie alle unsere Gebäude in Deutschland – mit 100 Prozent Ökostrom betrieben. Auch unser Fuhrpark mit immerhin über 120 Fahrzeugen, besteht überwiegend aus Hybridfahrzeugen und die ersten vollelektrischen Autos sind bereits bestellt. Dafür betreiben wir bereits heute 26 Elektro-Ladestationen mit 35 Ladepunkten am Standort Poing. Weitere 20 Stationen sind für unsere Sales-Büros in Planung.

Welche Rolle spielt die Halbleitertechnologie im Bereich der nachhaltigen Energie?

A.O.: Der Anteil von Halbleitern im nachhaltigen Energiesektor nimmt von Jahr zu Jahr zu. Die Hauptaufgabe besteht darin, verschiedene Energie-Ökosysteme miteinander zu verbinden, um Effizienz und Langlebigkeit zu steigern. Die Preisentwicklung der Halbleitertechnologie unterstützt diesen Trend auf lange Sicht. In den letzten zehn Jahren ist beispielsweise der Preis für Solarenergie um 80 bis 90 Prozent und der Preis für Windkraftanlagen um 55 bis 60 Prozent gesunken. Darüber hinaus gewinnen die schnell zunehmenden Innovationen im Bereich der IoT-Technologien an Dynamik und beschleunigen das Wachstum in bestimmten Bereichen der Energiewende wie Konnektivität und Sicherheit.

Ist der Übergang zu nachhaltigen Energiequellen ohne Digitalisierung denkbar?

A.O.: Die Digitalisierung geht Hand in Hand mit der Entwicklung einer nachhaltigen Energieversorgung. Darüber hinaus werden staatliche Initiativen für die Energiewende das Wachstum beschleunigen und neue Unternehmen dazu anregen, ehrgeizige Projekte in Angriff zu nehmen. Im Moment beobachten wir, dass sich verschiedene IT-Unternehmen mehr und mehr in neue Projekte für Kohlenstoffabscheidung und Wasserstofftechnologien einbringen.

Wer sind Ihre potenziellen Kunden in diesem Bereich?

A.O.: Die Energiewende ist für viele unserer Kunden ein attraktiver Wachstumsmarkt. Angefangen bei unseren etablierten Smart-Grid-Kunden bis hin zu neuen Marktteilnehmern im Bereich der Ladestationen für Elektrofahrzeuge, um nur ein Beispiel zu nennen. Regierungsinitiativen, Vorschriften und verschiedene Anreize in Europa – das bei der Energiewende führend ist – werden künftige Entscheidungsträger beeinflussen und neue Projekte und Innovationen, einschließlich KI, hervorbringen. Wir bei EBV sind bereit, unseren Teil zur Erreichung der CO2-Neutralität in dieser Phase des Übergangs beizutragen, und zwar für jedes Szenario und auch für unkonventionelle Ansätze unserer Kunden.

In welchen Bereichen der Energielandschaft sehen Sie ein besonderes Potenzial für EBV?

A.O.: Das Potenzial ist enorm. Betrachten wir den Energiesektor im Allgemeinen: Hier haben wir es mit einem Ökosystem mit zahlreichen Ladegeräten zu tun, die Strom in beide Richtungen transportieren können. Wir haben Speicher vor Ort und die Stromübertragung im Netz. Wir brauchen also eine Schnittstelle zu Stromzählern und anderen intelligenten Netzgeräten. Neben der Modernisierung der Energieinfrastruktur müssen wir auch den lokalen Bereich der Haushalte berücksichtigen – mit Batteriespeichersystemen für Haushalte und Fahrzeuge, die V2G (Vehicle-to-Grid) unterstützen und als Netzpuffer für überschüssige erneuerbare Energie verwendet werden. Künftige netzgekoppelte Edge-Computing-Knoten und cloudbasierte Infrastrukturen werden das Netz viel berechenbarer machen. Zudem wird es viel Raum für attraktive finanzielle Anreize geben. Wir müssen nur einen Weg finden, all diese Ökosysteme miteinander zu verbinden, damit sie als Einheit funktionieren.

Kraftwerksbetreiber und Ölgesellschaften versuchen nun, im Bereich der nachhaltigen Energie Fuß zu fassen. Wie können Sie diesen Unternehmen helfen, auf entsprechende Energiequellen umzusteigen?

A.O.: Früher lag das Geschäftsmodell der Öl- und Gasunternehmen in der Brennstoffversorgung. Heute jedoch tätigen die großen Ölgesellschaften Übernahmen im traditionellen Elektrizitätssektor, der die Erzeugung, Verteilung und Versorgung umfasst, um erneuerbare Energiequellen zu erschließen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem „Kundenkontaktpunkt“ in der Wertschöpfungskette, insbesondere bei der Entwicklung der Infrastruktur für die Elektromobilität. Die Erfahrung von EBV liegt im technologie- und lösungsorientierten Vertrieb – mit schneller Anpassung an neue Trends und Projektanforderungen. Das ist unsere DNA.

Wie wichtig ist Energieeffizienz in diesem Zusammenhang und was kann die Halbleiterindustrie dazu beitragen?

A.O.: Effizienz bedeutet Differenzierung. Im Energiesektor ist sie sogar noch wertvoller, weil sie aus verschiedenen Blickwinkeln interpretiert werden kann. Ein Beispiel aus der Perspektive der Halbleitertechnologie: Die Wide-Bandgap-Technologie im Energiesektor ermöglicht den Betrieb bei höheren Temperaturen und höheren Frequenzen. Das bedeutet schnellere Schaltgeschwindigkeiten und geringere Verluste, was zu einer höheren Effizienz führt. Ein weiteres Thema ist das globale IoT, denn die Effizienz des Energie-Ökosystems ist eng mit der Sicherheit der Datenübertragung verbunden. Die Überwachung in Echtzeit ist für einen effektiven Netzausgleich in der Zukunft unerlässlich, während gleichzeitig die Daten der Nutzer geschützt werden müssen, um ein zufriedenstellendes Nutzererlebnis zu gewährleisten. Hier spielen Halbleiter heute und in Zukunft eine Schlüsselrolle.

Nachhaltige Energie und die Verringerung der CO2-Emissionen gehen Hand in Hand. Was macht EBV als Unternehmen, um seinen CO2-Fußabdruck zu verringern?

A.O.: EBV engagiert sich schon seit langem für die Umwelt. Im Jahr 2008 riefen wir das Projekt ECOmiseIT™ ins Leben und haben seither Dutzende konkreter Aktivitäten und grüner Investitionen durchgeführt. 2009 wurde EBV vom Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) e.V. als eines der umweltfreundlichsten Büros in Deutschland ausgezeichnet. Wichtige Bewertungskriterien waren Aspekte wie der Papierverbrauch oder der Energiebedarf der IT-Geräte – Bereiche, in denen EBV bereits umfangreiche Maßnahmen ergriffen hat. In diesem Jahr starten wir eine neue Initiative, um unsere Mitarbeiter und Partner für den Schutz der Bienen zu sensibilisieren. Weitere Maßnahmen werden im Laufe der nächsten Monate folgen.

EBV wirbt derzeit mit dem Claim „Passion for Technology“. Wir sind ständig auf der Suche nach kreativen Möglichkeiten, Technologien umweltfreundlich zu nutzen und laden unsere Partner ein, uns auf diesem Weg zu begleiten und zu unterstützen.

Wie sieht Ihr Blick in die Zukunft aus? Was kann jeder von uns tun, um die Energielandschaft nachhaltiger zu gestalten?

A.O.: Energie spielt eine wichtige Rolle in unserem täglichen Leben. Deshalb müssen wir nachhaltige Energie für alle erschwinglich machen. Wenn die Technologie, bezogen auf die Produktion und Nutzung, grün ist, oder zumindest grüner als die bisherige, dann wird es uns gelingen, diese Herausforderung zu meistern, die ich eingangs als die bisher größte Herausforderung für die Menschheit bezeichnet habe.

 

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